Clemens Stier, Kelch, 925/- Silber
Plakat zur Ausstellung

Vasa Sacra - 9 Silberschmiede, 9 Kelche

„Vasa Sacra“ - 9 Silberschmiede, 9 Kelche ist der Titel einer Ausstellungsserie, deren nächste Ausstellung am 1. März 2009 in der Ev. Dekanatskirche St. Stepfan in Würzburg um 10.00 Uhr eröffnet wird. „Vasa Sacra“ ist ein Projekt der Absolventen der Silberschmiedeklasse der Staatlichen Zeichenakademie Hanau und der betreuenden Dozenten Gerhard Wulke und Bruno Sievering-Tornow. (download VasaSacra09.pdf)


Das Projekt startete im Frühjahr 2001 als Wettbewerb für die Evangelische Kirchengemeinde der Marienkirche in Hanau. Die bisherigen Stationen der Ausstellung waren die Marienkirche selbst, das Deutsche Goldschmiedehaus in Hanau, die Kath. Kirchengemeinde St. Elisabeth in Kesselstadt, der Braunschweiger Dom, das Diözesanmuseum Limburg und das Dommuseum in Fulda. Als weitere Station könnte die Kathedrale in Reims (Frankreich) in Frage kommen, die ersten Kontakte werden gerade geknüpft.


Die 9 Silberschmiede haben kurz ihre Gedanken zur Gestaltung ihrer Kelche benannt:

 

Clemens Stier aus Rostock (heute tätig in Würzburg)
stellt seinen Kelch ausschließlich in den funktionalen Dienst der Eucharistiefeier, indem die Form einfach und klar die Bestimmung des Gefäßes sichtbar macht. Die große raumgreifende Cuppa gibt dem Kelch mit seinem gedrungenen Schaft eine geradezu unerschütterliche Charakteristik.


Camilla Bell aus Butzbach (heute tätig in Kopenhagen)
Camilla Bells Entwurf besticht durch klare konsequente Linienführung. Der deutliche Schwerpunkt liegt in der sich leicht öffnenden Form der besonders hohen Kuppa, wodurch auf die traditionelle Dreiteilung verzichtet werden konnte.


Lena Rothbrust aus Frankfurt (heute tätig in Mainz)
Die Linienführung des Kelches von Lena Rothbrust zeigt eine konsequent durchgespannte Kurvatur, wie wir sie auch bei romanischen Säulen mit Blockkapitellen kennen. Zwischen dem säulenhaft Statischen des Fußes und der sich öffnenden raumgreifenden Cuppa vermittelt der deutlich nach innen abgesetzte Nodus und lässt so den gedrungenen Kelch gleichzeitig leicht wirken.


Christiane Weller aus Rudolstadt (heute Studentin in Offenbach)
sieht in den asymmetrischen Körpern ihres Kelches gleichzeitig Reibungsfläche und Berührungspunkte zwischen Gott und den Menschen. Zwei Komponenten treffen aufeinander und bilden eine spannungsreiche, fragile Ebene. Gleichzeitig symbolisiert diese Ebene die Schnelle, die Hektik und Unrast unseres Lebens, in dem oft zu wenig Zeit für das Gebet bleibt.


Elisabeth Weber aus Gera (heute selbstständig in Erlangen)
Der Kelch als Symbol der Beziehung zwischen Gott und den Menschen und zwischen Himmel und Erde.
Cuppa und Fuß sind gekennzeichnet durch eine spannungsreiche Linienführung, die in ihrem Berührungspunkt durch einen kubischen Nodus verbunden werden. In diesem kleinen, die vier Himmelsrichtungen darstellenden Nodus, verbinden sich die himmlischen und irdischen Beziehungen, die in der dynamischen Kurvenführung der Gefäßteile sichtbar werden.
Eine große, straff geführte Cuppa, zylindrischer Nodus und kleiner kegelförmiger Fuß bündeln die Aufgabe des Kelches formal konsequent. Bewusst wird auf zu viel Interpretationsspielraum verzichtet, um dem besonderen Anlass des Gefäßgebrauches gerecht zu werden.


Daniel Snaider aus Eichstädt (heute freischaffend in Kinding)
Sein Entwurf basiert auf vier transparent wirkenden tragenden Segmenten, die sich zur Cuppa hin wie geöffnete Hände entwickeln und die die aus sehr dünnem Material bestehende und innen vergoldete Cuppa tragen. Die einen Raum bildenden Stützen der Cuppa versteht Daniel Snaider als Symbol des Kirchenschiffes – besser gesagt der Vierung und als Ort der Gemeinde, über dem sich das dem Blut Christi und damit der Erlösung zugedachte Gefäß zeichenhaft erhebt.
Zwei waagerecht liegende Kreuze verbinden die Stützelemente miteinander, so dass die technische und formale Umsetzung auch im inhaltlichen Bezug als Verbindung der unterschiedlichen Gemeindemitglieder zu einer Gemeinschaft zum Ausdruck kommt.

Ismael Conde Ruiz aus Fulda (heute tätig in Würzburg)
Im Kelch von Ismael Conde Ruiz soll die traditionelle Dreiteilung an die Trinität erinnern. Cuppa und Fuß werden nicht nur symbolisch von dem kugelförmigen Nodus getragen, denn als Symbol für die Vollkommenheit und des Kosmos verbindet für ihn die Kugel so das Irdische mit dem Himmlischen.

 

Ruth Rittweger aus Friedrichroda (heute Studentin in Sonneberg)

Sie sieht in den zu einem Gefäß zusammengelegten Händen die Urform des sakralen Kelches, in der am besten die würdevolle Aufgabe der Abendmahlsfeier zelebriert wird. Sie sieht ihre Aufgabe als Gestalterin darin, einerseits die würdevolle Handhabung zu gewährleisten und andererseits die herausgehobene Stellung dieses Altargerätes durch eine besonders zurückhaltende Form zu betonen.
Zusätzlich – und das ist bei diesem Kelch hervorzuheben – besteht durch diese Form die Möglichkeit, eine Vielzahl kleinerer Kelche desselben Typs für die Gemeindemitglieder herzustellen. Damit knüpft sie an die Tradition des mittelalterlichen Trinkröhrchens an.


Karen Fues aus Ditzenbach (heute selbstständig in Alzenau)
Eine große, straff geführte Cuppa, zylindrischer Nodus und kleiner kegelförmiger Fuß bündeln die Aufgabe des Kelches formal konsequent. Bewusst wird auf zu viel Interpretationsspielraum verzichtet, um dem besonderen Anlass des Gefäßgebrauches gerecht zu werden.